Freiheit UND Sicherheit

Der immerwährende Widerspruch zwischen Freiheit und Sicherheit scheint sich mit einem mobilen Tiny Houses in Luft auf zu lösen. In der Fantasie träumt man sich als freiheitsliebender Nomade immer wieder an andere wunderschönen Orte. Immer dabei: das traute Heim auf Rädern.

Hip UND spießig

Ein bisschen Spießertum und Sicherheit im Gepäck, aber gerade nur so viel, um sich trotzdem großartig und hip zu fühlen. Sie wollen sich ein eigenes Tiny House bauen? Mit einem Minihaus besitzt man ein eigenes (kleines) Haus. Trotzdem hat man sich nicht für alle Zeiten ein Zuviel an Verantwortung ans Bein gebunden. Mit dem mobilen Haus auf Rädern kann man ja unentwegt immer wieder zu neuen Abenteuern aufbrechen. Auf den ersten Blick, wenn man erst mal nur in den Gedanken ein Tiny House bauen will, dann kann man richtig ins Träumen kommen. Mit dem mobilen Haus kann man Freiheit leben und zu Abenteuern aufbrechen, aber man muss nie auf seinen sicheren komfortablen Raum verzichten.

„Was du besitzt, besitzt in Wirklichkeit dich“

Die liebsten Habseligkeiten hat man im Tiny House ja nun immer dabei. Nur musste man sein Hab und Gut auf das Nötigste reduzieren. Das aber wiederum befreit den Geist und man hat endlich mehr Raum, um sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Frei nach dem Klassiker „Fight Club“: „Was du besitzt, besitzt in Wirklichkeit dich“. Von zu viel Besitz hat man sich im Tiny House ja glücklicherweise befreit. Zudem sind die kleinen Häuser wahre Effizienzwunder und wenn man beim Bauen eines Tiny Houses auf ökologische Materialien aus nachhaltigen Quellen setzt, einen wunderschönen Stellplatz in der Wildnis gefunden hat, lebt man fast im vollkommenen Einklang mit der Natur.

Feuchtigkeitsquellen in der Wohnung

Reality check

Aber schon bald kommt man leider auf dem harten Boden der Realität wieder an. Nämlich sobald man tatsächlich konkrete Pläne für den Bau des ersten eigenen Tiny Houses hegt, Denn dann muss man sich mit den vielen Hürden rumplagen, die auf dem Weg zum Tiny House, erst einmal genommen werden müssen.

tiny house bauen

Tiny House mobil – Straßenverkehrszulassung

Tiny Houses, die Sie mit einem Zugfahrzeug und einem Anhänger bewegen wollen, müssen nämlich in Deutschland zugelassen werden. Hier gilt in Deutschland die Straßenverkehrs- (Fahrzeugzulassungsverordnung – FZV). Es gibt einige Ausnahmen, die keinen TÜV, sondern allenfalls eine Betriebserlaubnis benötigen. Dazu gehören Anhänger im Schaustellergewerbe, im land- und forstwissenschaftlichen Betrieb und Bauwagen. Bauwagen sind fahrbare „Pausenräume“, die für die Arbeiter auf Baustellen gedacht und konzipiert waren, aber seit jeher zweckentfremdet wurden.

Sichere Ladung

Wenn man das Tiny House in keine dieser Kategorien einsortieren kann, dann müssen sie gesondert zugelassen werden. Entweder als Wohnwagen oder als gesicherte Ladung. Eine Ladung wird so definiert, dass sie sich händisch vom Anhänger trennen lassen muss. Das sollte bei der Konzeption des Tiny Houses unbedingt beachtet werden. Das Problem ist, dass der Halter/ oder Fahrer im Falle eines Unfalls haften und nachweisen müssen, dass die Ladung ausreichend gesichert war. Da das im Nachhinein eine schwierige Aufgabe sein kann, empfiehlt es sich, sich zertifizieren zu lassen. Das kann einem eine Menge Ärger ersparen.

Tiny house parken

Grundsätzlich ist es für alle Wagenformen gestattet sie außerhalb von Ortschaften zu parken. Allerdings dürfen dort weder Feuerstellen noch andere Aufenthaltsräume oder sanitäre Anlagen errichtet werden. Wenn sich niemand davon belästigt fühlt, können die Wägen geduldet werden. Naturschutzgebiete, Biotope und private Grundstücke sind allerdings tabu und müssen sofort geräumt werden, sobald sich jemand beschwert. Eine Lösung ist es bei Privatgrundstücken die Eigentümer zu kontaktieren und mit diesen eine Duldung zu verhandeln. Man muss quasi viel Glück mit den Nachbarn haben oder sehr gutes Verhandlungsgeschick mitbringen. Oder man stellt sich auf einen Wagenplatz zu anderen Wägen dazu, wenn diese dort bereits geduldet sind.

Lieber doch nicht mobil?

Wer sein Tiny House für eine längere Zeit, als drei Monate abstellen möchten, auch auf einem Privatgrundstück, benötigt dafür eine Baugenehmigung, die im Baurecht geregelt ist. Sofern Sie das Tiny House auf einer Parzelle auf einem Campingplatz abstellen möchten, benötigen Sie keinen separaten Bauantrag. Da es im Planungsrecht in unterschiedlichen Bundesländern unterschiedliche Regeln gibt, ist es eine gute Idee bei Ihrer zuständigen Baubehörde nachzufragen. Aus baurechtlicher Sicht gehören Tiny Houses zu den Gebäuden – egal ob sie Räder haben oder nicht. Das bedeutet, dass Sie sich im nächsten Schritt Gedanken über ein geeignetes Grundstück machen müssen.

Das richtige Grundstück mitten im Nirgendwo

Wer in Deutschland bauen möchte, der ist darauf angewiesen, dass das Grundstück bereits angeschlossen ist, also mit Wasser, Gas, Elektrizität versorgt und an die Kanalisation angeschlossen ist. Da der Baugrund in Deutschland zusätzlich auch an ein Wegenetz angeschlossen sein muss, lässt sich ein Haus mitten in der Wildnis fernab vom Trubel quasi nicht realisieren.

Tiny House, mobil und ökologisch wohnen?

Gerade wenn Sie sich Gedanken um Energieeffizienz, Ökologie und Ressourceneffizienz machen ist es tatsächlich schwierig dies konsequent mit einem Tiny House umzusetzen. Die Gebäudehülle eines Tiny Houses ist gemessen an den Quadratmetern der Wohnfläche, deutlich größer als bei einem Mehrfamilienhaus. Zur Gebäudehülle gehören zum Beispiel die Außenwände und das Dach. Ein Tiny House benötigt rund 5-6 qm Gebäudehülle je qm Wohnfläche. Eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus benötigt hingegen nur rund 2qm Gebäudehülle je qm Wohnfläche. Daher sind die Energieverluste im Tiny House bei gleicher Dämmung rund 3 x höher als im Mehrfamilienhaus.

Ökologisch dämmen im Tiny house?

Sobald Sie ökologisch dämmen und zum Beispiel mit Zellulose oder Hanf setzen und auf Polystyrol verzichten wollen, haben Sie ein deutliches Gewicht zu tragen und überschreiten mitunter das zugelassene Gesamtgewicht von 3,5 t für die Teilnahme am Straßenverkehr. Eine gute Dämmung ab 30 cm in Wand und Dach ist der Standard für ein KFW 40+ Haus, das gefördert wird. Leider gibt es für Tiny Houses keine Haustechnik, die nicht überdimensioniert ist. Es gibt praktisch keine regenerativen Energieträger, die klein genug sind, um ein mobiles Tiny House platzsparend, effizient und leicht mit ausreichend viel Strom und Wärme zu versorgen. In der Regel haben die Versorgungssysteme eine übliche Größe, die für Tiny Houses völlig überdimensioniert und damit verhältnismäßig recht teuer sind.

Günstig wohnen im Tiny House

Wenn Sie mit einen ökologischen Standard Ihren Tiny House Wohnraum bauen wollen, dann liegen Sie mitunter bei etwa 4000-6000 €/qm, somit sind die Kosten pro Quadratmeter im Tiny House fast doppelt so hoch, im Vergleich zu den Kosten in einem Mehrfamilienhaus mit vollökologischem Standard. Das liegt an Menge der Außenwände im Verhältnis zur Wohnfläche und der relativ teuren Haustechnik, die benötigt wird, um KFW 40 Standard zu erreichen. Auch die Menge der Zufahrtswege pro Person und die damit verbundene Zersiedelung der Landschaft sind keine ökologischen Pluspunkte.

Wenn Sie nach einem ökologischen Standard bei geringen Kosten leben wollen, dann bietet sich eigentlich eine kleine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an. So können auch die Zufahrtswege pro Person minimiert und das bestehende Netz effizient genutzt werden.

Fazit

Wer ökologisch im Einklang mit der Natur in einem günstigen, mobilen (oder nicht mobilen) Tiny House wohnen will, der wird an seine Grenzen stoßen. Aber wie sagt man so schön:

Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.

Sie wollen immer noch ein Tiny House bauen? Verstehen wir!