Erst kürzlich hat die Reportagereihe des ZDFs plan b eine sehr spannende Dokumentation gezeigt: „Das Haus von morgen – wie bauen revolutioniert wird.“ Das heißt, das ökologisch bauen eindeutig ein gesellschaftliches Trendthema ist. Warum ökologisches bauen gar nicht teuer sein muss, beschreiben wir im Blogartikel ökologisches bauen lohnt sich.

Folgerichtig steht das Haus von morgen für die Verwendung von nachhaltigen und ökologischen Ressourcen. Konventionelles Bauen mit Klinkersteinen, Beton und Polystyroldämmungen verschlingt dagegen Unmengen an Ressourcen. Aus diesem Grund gehört der Bausektor zu den Wirtschaftssektoren mit dem höchsten Ressourcenverbrauch. Alleine der Hochbau  trägt zu 6% des globalen Energieverbrauchs und zu 11% der Treibhausgasemissionen bei (Bauwendebündnis 2019). Trotz dieses Wissens wird beim Abbruch von Häusern  immer noch kaum recycelt. Somit werden Stoffe wie Sand, die für die Herstellung von Beton gebraucht werden, immer knapper. Darüberhinaus wird Polystyrol für die Dämmung genutzt, was späte Kosten nach sich zieht. Beispielsweise in Form von Treibhausgasemissionen bei der Entsorgung. Unter dem Strich werden nur 5% der Polystyrole in Deutschland mit einem Recyclingcode für eine Wiederverwendung gekennzeichnet.  

Der Plastikkreisel aus dem Plastikatlas

Die Alternativen dazu sind Häuser aus Lehm, Holz oder Recyclingmaterialien.

Klimafreundlich ökologisch bauen

Die Vorteile von ökologischen Baustoffen liegen auf der Hand. Holz und Lehm gehören zu den nachwachsenden, heimischen Rohstoffen und haben vergleichsweise eine geringe „Graue Energie“ und verursachen viel weniger „Graue Emissionen“.

„Graue Energie“ und die „Grauen Emissionen“ bezeichnen den Energieverbrauch und die Emissionen von Treibhausgasen, die bei der Herstellung, dem Transport, der Verarbeitung und Entsorgung von Baustoffen entstehen (Bauwendebündnis 2019).  

Selbst bei einem gut gedämmten Neubau (Standard KfW55) werden die Grauen Energien und Graue Emissionen bei der Ökobilanzierung nicht ausreichend berücksichtigt. Das heißt, dass Materialien eingesetzt werden, bei deren Herstellung viel Energie verbraucht wird. Oder bei deren Entsorgung hohe Emissionen verzeichnet werden (Bauwendebündnis 2019). Im direkten Vergleich des benötigten Energieverbrauchs bei der Herstellung schneidet Lehm vergleichsweise sehr gut ab. 

Primärer Energieverbrauch

Gut unterwegs auf dem Lehmweg

 Eine der besonderen Eigenschaften von Lehm ist das gesunde Raumklima das durch den Einsatz geschaffen wird. Wer mit Lehmfarbe im Badezimmer streicht, der kennt nach dem Duschen den beschlagenen Spiegel nicht mehr. Denn Lehmmaterialien regulieren Feuchtigkeit, durch die Aufnahme und Abgabe von Wasserdampf. Lehmbauplatten und Lehmdämmsysteme als Dämmung eignen sich für alle Wohnräume, die nicht von außen nachträglich gedämmt werden können. Was immerhin 40% aller Wohnbestände in Deutschland betrifft (Jörg Meyer, Inhaber conluto, 2016). Auf dem Lehmweg scheint man also gut unterwegs zu sein, so der österreichische Bauunternehmer Martin Rauch, der die Stampflehmmethode für den Bau seines eigenen Hauses genutzt hat.

Mit Holz hoch hinaus

Aber auch mit Holz kann man hoch hinaus. Wenn man sich die Zahlen der Holzvorräte in deutschen Wäldern ansieht, wird schnell klar: Der Vorrat wird noch nicht einmal annähernd voll genutzt. Tatsächlich werden von diesem nur 21 Millionen Kubikmeter benötigt, wenn alle Neubauten zukünftig aus Holz gebaut würden. 

Holzvorrat und Verbrauch in Deutschland

Aber warum bauen wir in Deutschland nicht schon längst flächendeckend mit Holz, wenn es doch zur Genüge davon gibt und bei nachhaltiger Nutzung auch zukünftig immer geben wird?
Noch immer kämpft die Holzbaubranche mit hartnäckigen Vorurteilen gegenüber dem Baustoff Holz. Er soll nämlich leicht brennbar sein. In Wirklichkeit aber hält, Holz einem Feuer länger Stand, als ein Stahlträger oder ein Betonpfeiler. Bei Feuer bildet sich um den Holzkern eine schützende Kohleschicht, die weiteres abbrennen verhindert. Somit droht in Holzhäusern nach einem Brandfall seltener Einsturzgefahr.

Brandsicherheit von Holz

Warum aber nur zögerlich Holz beim Bau von mehrgeschossigen Häusern eingesetzt wird hat ebenso mit der deutschen Gesetzgebung zu tun. Der Bau mehrgeschossiger Holzhäuser über 13 m wird nur in drei Bundesländern gestattet. Das sind Berlin, Hamburg und Baden-Württemberg.
Das Objekt Skaio in Heilbronn ist also ein Flagschiff deutschen Holzbaus. Bis heute is es das höchste Holzhaus in Deutschland. Mit seinen 60 Wohnungen und der Höhe von 34 m hebt es sich von den umliegenden Bauten deutlich ab. Holzbau hat also kein Größenproblem, sondern wird effizienter je höher er ausgerollt wird. Je salonfähiger der Holzbau von mehrgeschossigen Häusern wird, desto günstiger wird dieser Baustoff in Zukunft sein und damit immer häufiger genutzt werden. 

Quartier Weissensee

Ein weiteres Vorbild beim Holzbau ist das Projekt „Quartier Wir“ in Weißensee, Berlin, das aktuell zu den größten Holzbauprojekten Deutschlands zählt. Mit 113 Wohnungen bietet das Objekt über 250 Menschen einen Wohn- und Lebensort zum gemeinsamen Wohlfühlen in der lebendigen Nachbarschaft, die auf den Werten Toleranz für das „Andere“ und gegenseitiger Rücksichtnahme basiert.

Sie wollen ökologisch bauen?